Hintergrund

Abgeordnete fordern eine Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kreis
Die Ministerin soll’s richten



Bild: zvw

Winnenden. Die Landtagsabgeordneten im Rems-Murr-Kreis sind sich in einem Punkt einig: Der Kreis benötigt eine Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Forderung nach einem ortsnahen Therapieangebot ist nicht neu.

Unter Federführung des Landtagsabgeordneten Willi Halder (Grüne) haben sich die Landtagsabgeordneten des Rems-Murr-Kreises in einem gemeinsamen Brief an Ministerin Altpeter gewandt, um sich für die Einrichtung einer Kinder- und Jugendpsychiatrie im Kreis einzusetzen. Die Erfahrungen aus dem Amoklauf in Winnenden habe die Notwendigkeit eines kinder- und jugendpsychiatrischen Angebots auf erschreckende Weise vor Augen geführt, heißt es einer Pressemitteilung von Willi Halder. „Besonders erfreulich ist, dass quer durch die Fraktionen von CDU, Grüne, SPD und FDP Einigkeit in diesem Bereich besteht. So können wir auch auf Landesebene unseren Anliegen verstärkt Nachdruck verleihen“, betont Willi Halder.

Sozialministerin Katrin Altpeter kennt die Forderung. Im Dezember 2011 wurde sie bei ihrem Antrittsbesuch im Rems-Murr-Kreis just damit konfrontiert. Altpeter sieht zwar den höheren Bedarf, setzte aber auch ein Fragezeichen hinter manche Diagnosen. Kinder, die nicht ganz in der Spur laufen, würden oftmals krankgeschrieben.

Darüber hinaus gebe es jedoch auch ein formelles Problem für eine neue Tagesklinik. 2008 seien die für den Rems-Murr-Kreis reservierten Betten auf andere Landkreise verteilt worden. Sie regte damals an, mit dem Zentrum für Psychiatrie in Winnenden eine Lösung zu suchen, das unter einem Dach mit dem ZfP in Weinsberg ist und vielleicht Betten nach Winnenden umwidmen könne.

Landrat Johannes Fuchs möchte ebenfalls, dass sein Landkreis eine Kinder- und Jugendpsychiatrie bekommt. Dass immer mehr Fälle von Kindern mit psychosozialen Problemen ins Umland verwiesen werden und lange Wartezeiten in Kauf genommen werden müssen, nannte er „Kinderlandverschickung“. „Ich werde keinen Versuch unterlassen, in dieser Wunde zu bohren“, versprach Fuchs im vergangenen Jahr.

Lange Wege und Wartezeiten
Derzeit laufen in der Kinderklinik Waiblingen jährlich rund 200 Fälle mit psychiatrischem Behandlungsbedarf auf, schreiben die Abgeordneten in ihrer Mitteilung. Um eine entsprechende Behandlung zu bekommen, müssten Betroffene und Eltern oftmals lange Wege und Wartezeiten auf sich nehmen. „Gerade in einem Flächenlandkreis mit 80 000 Jugendlichen unter 18 Jahren sollte eine entsprechende kinder- und jugendpsychiatrische Versorgung sichergestellt werden. Zudem sind bei Jugendlichen verstärkt Fälle von Überforderung und psychischen Problemen aufgrund eines immer höheren Leistungsdrucks zu beobachten“, so Willi Halder.

Der gemeinsame Brief an Ministerin Altpeter wurde von Prof. Dr. Ulrich Goll (FDP), Gernot Gruber (SPD), Petra Häffner (Grüne), Willi Halder (Grüne), Jochen Haußmann (FDP), Wilfried Klenk (CDU), Claus Paal (CDU) und Matthias Pröfrock (CDU), unterzeichnet..

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